Wie gesagt, wir proben hier. Es ist v.a. im Sommer ein schön kühles Haus.
Wenn die Freiburger zu unseren gemeinsamen Konzerten nach Heidelberg kommen, übernachten sie hier.
Adolf Schmitthenner war Pfarrer in Heidelberg. Er entstammte einer Pfarrersfamilie - Vater und Großvater waren auch Pfarrer - und wurde 1854 in Neckarbischofsheim geboren.
Er studierte u.a. in Heidelberg und war an der Heiliggeistkirche Vikar. Zunächst zog es ihn nach Neckarbischofsheim zurück. 1893 kam er wieder nach Heidelberg, diesmal als Pfarrer, zuerst an der Peters- und der Providenzkirche, dann in der Heiliggeistkirche. Zugleich war er Lehrer am Predigerseminar. Außerdem war er Dichter und Mitglied zahlreicher Vereine.
1907 ist er verstorben.
Die Heiliggeistkirche ist der Aufführungsort unserer gemeinsamen Konzerte in Heidelberg.
Im Ursprung war die Heiliggeistkirche eine spätromanische Basilika und wurde 1239 zum ersten Mal erwähnt.
Heute ist sie spätgotisch mit einem barocken Dach auf dem Westturm. 1398 wurde der Grundstein für den heutigen Bau gelegt, 1411 der Chor eingeweiht.
Zum barocken Dach kam es durch den Brand beim Pfälzischen Erbfolgekrieg. 1709 wurde diese Helmhaube aufgesetzt.
Wie man auf dem Bild der Heiliggeistkirche sieht, sind außen Souvenirläden angebracht.
Diese Läden sind keine Erfindung neuerer Zeit, sondern sie stammen aus dem Mittelalter.
Damals waren diese Buden Bäckerläden. Man kann am Rand dieser Buden noch heute viele Einkerbungen in Brezelform erkennen. Das waren die „Norm-Brezeln“. Der Käufer konnte seine Brezel an eine solche Einkerbung halten und daran abmessen, ob seine Brezel der Norm entsprach oder nicht.
Hier sieht man noch die Jahreszahl: 1737.
Am Eingang zur Sakristei ist oben am Eck
Maria
als Himmelskönigin abgebildet. Man sieht auf dem Bild zum Beispiel die Krone.
Hier hielten die Pilger auf ihrem Weg und zogen dann über die Alte Brücke weiter zur Michaelsbasilika auf dem Heiligenberg.
Maria wurde 1954 von der katholischen Kirche zur Himmelskönigin erklärt. Vom Volk wurde sie jedoch schon viel länger als solche verehrt. Das hat z.T. seinen Ursprung im heidnischen Glauben, in dem viele Göttinnen existierten. Ein Beispiel ist das Jahr 345, als Kaiser Theodosius die christliche Religion zur Staatsreligion erklärte. Bei vielen Abbildungen dieser Zeit kann man nicht zwischen der keltischen Muttergöttin Isis und der christlichen Jungfrau Maria unterscheiden. Die Menschen haben nicht einfach ihren Glauben abgeworfen.
Das haben auch die Kirchenoberen erkannt. Papst Gregor I. empfahl sogar, die heidnischen Feste und Rituale in christlichem Sinn umzudeuten, sodaß diese zwar weiter begangen wurden, aber eben unter christlicher Fahne. Ein Beispiel ist unser
Osterfest.
Wir sind nun an der Sakristei vorbeigewandert, haben uns umgedreht und sehen die zwei Treppen.
Die Heiliggeistkirche war ursprünglich eine herrschaftliche Kirche. Ab 1414 war sie Universitätskirche.
So war sie in ihrer Glaubensrichtung dem jeweiligen Herrscher unterworfen.
Und zeitweise diente die Heiliggeistkirche sowohl den Katholiken als auch den Protestanten zugleich als Gotteshaus. Das heiß, sie war eine Simultankirche. Dazu wurde sie 1706 mit einer Trennmauer versehen, die im Innenraum genau zwischen den beiden Treppen verlief.
Die Treppe links war für die Katholiken da und führte in den Chorraum. Die Treppe rechts wurde von den Protestanten benutzt.
1936 wurde die Trennwand wieder entfernt und heute ist die Heiliggeistkirche rein evangelisch.
Das sind die Wendeltreppen zur Empore. Diese Treppen sind über einen Gang miteinander verbunden.
Früher war auf der Empore die
Bibliotheca Palatina
untergebracht. Im 16. und 17. Jahrhundert war das die Mutter aller Bibliotheken. Sie enthielt zur damaligen Zeit die Hauptwerke der calvinistischen Theorie. Kein Wunder also, daß Papst Gregor XV. sie im dreißigjährigen Krieg als Kriegsbeute wollte. Der bayerische Herzog Maximilian I. erfüllte ihm diesen Willen. So kam also Leone Allacci, Skriptor für Griechisch an der Vatikanischen Bibliothek, nach Heidelberg und organisierte 1623 den Abtransport der Bücher nach Rom.
1816 konnten durch Vereinbarungen beim Wiener Kongreß zumindest die deutschen Handschriften zurückkehren. Der Rest lagert bis heute im Vatikan.
Der berühmte Codex Manesse - eine Liederhandschrift - kehrte auf anderen Wegen nach Heidelberg zurück, da er auf der Flucht von Friedrich V. mitgenommen worden war.
Wenn wir uns umdrehen, sehen wir die „Haspelgasse“, wie es hier auf dem Schild am Café Knösel steht.
Die Haspelgasse ist eine breite Gasse, breiter als die anderen Sträßchen. Sie führte früher zum Punkt, wo die alte Fähre zum Neckar führte (man sieht auf dem Schild den Pfeil mit dem Hinweis „Alte Brücke“). D.h. hier kamen die ganzen Fuhrwerke rauf.
Des Nachts wurden hier die Fuhrwerke versammelt und die Gasse mit Toren abgesperrt, „verhaspelt“.
Daher der Name „Haspelgasse“.
Nun kommen wir zum pfälzischen Erbfolgekrieg, der in Heidelberg etliche Spuren hinterlassen hat
In diesem Krieg wurden Erbansprüche kriegerisch geregelt.
Am 21. 12. 1671 wurde die Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig, Elisabeth Charlotte („Liselotte“) von der Pfalz mit dem Bruder des französischen Königs (Ludwig XIV.), Philipp I., Herzog von Orléans, verheiratet. Im Heiratsvertrag, den ihr Vater wohlnicht richtig gelesen hatte, wurde festgelegt,
daß all das, was Liselotte von ihm erben würde, an den König von Frankreich übergehen würde. Im Jahre 1680 starb ihr Vater und im Testament wurde verfügt, daß Liselotte nichts erbte. Das erzürnte die Franzosen, und so kam es zum Krieg. Dem Fürstentum wurden die Soldaten weggenommen, so dass es sich nicht gegen dieFranzosen wehren konnte. Auf Grund der wirtschaftlich schlechten Situation hatten auch die Einwohner nichts groß gegen die Invasion, da sie unter den Franzosen auf Besserung hofften.
Die Wehranlagen des Heidelberger Schlosses wurden dabei zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Vieles brannte in Heidelberg ab, die Altstadt lag in Schutt und Asche. Manche Häuser überlebten den großen Brand. Diese kann man daran erkennen, daß ihre Giebel zur Straße hin stehen, wie etwas bei dem hier abgebildeten Haus zum Ritter. Nach dem Erbfolgekrieg war es verboten, Häuser giebelständig zu bauen, damit in einem etwaigen Feuer dieses nicht so leicht um sich greifen kann.
Die baulichen Veränderungen nach dem großen Feuer kann man auch an der Unteren Strasse sehen.
Sie ist breiter als früher. Das sieht man daran, daß die Eingänge zu den Kellern in die Straße hineinragen. Die Grundmauern und damit auch die Keller blieben bestehen, aber die neuen Häuser wurden zurückversetzt gebaut.
Das sind alles Häuser, die nach dem Feuer erbaut wurden.
Man sieht, daß die Grundstücke einem Einheitsmaß bzw. einem Vielfachen davon entsprechen. Nur eines sticht heraus. Es ist eineinhalb mal so groß wie das Nachbargrundstück. Der Erbauer des Hauses hatte sich einfach mehr genommen als ihm zustand.
Das hier ist die „kleine Mantelgasse“. Mantel bedeutet, daß es sich um das Gebiet handelt, das die Stadt „ummantelt“. In Heidelberg gibt es eine große und eine kleine Mantelgasse.
In der kleinen Mantelgasse waren etliche Handwerksbetriebe beheimatet. Das sieht man an den zahlreichen Wappen an der Tür.
Noch eine Besonderheit kann man feststellen. Die Straße ist nicht gerade, sondern gebogen. Das wurde mit Absicht so gemacht, damit der Wind nicht so durchpfeifen kann wie etwa in Chicago („The Windy City“).
Und in der Mitte wird sie breiter, sodaß man dort gut ein Feuer machen konnte.
In der großen Mantelgasse liegt die ehemalige Synagoge. Sie lag dort, weil sie innerhalb der Stadt nicht erwünscht war. Einen Tag nach der Reichskristallnacht wurde sie zerstört. Heute sieht man als Erinnerung einen Gedenkstein, eine Tafel, der Umriß der Synagoge als weiße Steine im ansonsten grauen Pflaster und die kleinen Pfeiler.
Dieser Platz wurde erst vor ein paar Jahren so umgebaut. Vorher gab es hier Bänke, die gerne von den Pennern benutzt wurden, was die Stadt natürlich nicht gerne sah. Deswegen der Umbau.
Daneben lag gleich das Haus des
Rabbiners.
Ein Rabbiner wird nicht wie bei unserer Amtskirche von irgendwelchen Kirchenoberen eingesetzt, sondern von seiner Gemeinde gewählt und bezahlt. Er muß ein religiöses Studium hinter sich haben und einen akademischen Abschluß besitzen. In der Gemeinde ist er Lehrer, Prediger, Seelsorger, zuständig für den interkonfessionellen Dialog etc. Außerdem entscheidet er auf der Basis der
Halakhah
rechtsverbindlich in Rechtsfragen.
An den Herzchen in den Fensterläden kann man es noch ableiten: Hier war früher die Badestube für die Armen.
Auch diese
Badestube
war in der Mantelgasse angesiedelt, dort, wo alle Unterwünschten waren. Denn eine Badestube galt als anrüchig, weil dort allerlei Lustbarkeiten gefröhnt wurde. So manche Badestube diente im Mittelalter sogar als Bordell, das war bei dieser hier nicht anders. Dieser Zustand wurde sogar von den Stadtoberen gefördert, damit die armen Handwerksburschen (zum Heiraten brauchte man Geld) nicht darben mußten.
Dieses Schild steht an der Wand der Heuscheuer,wenn man von der großen Mantelgasse aus Richtung Marstall geht.
Die Gefängisse waren in einer Stadt oft außen (eben wo das unerwünschte Gesindel hin sollte) in einem der Festungstürme untergebracht. Es gab sowohl Frauen- als auch Männergefängnisse.
Auch die zwei Türme an der Alten Brücke sollen als Gefängnisse gedient haben.
Der Sage nach soll dort einmal ein Räuberhauptmann eingesperrt gewesen sein. Er aß nie, und keiner wußte wieso. Doch eines Tages gelang ihm die Flucht. Durch das ständige Hungern war er so dünn geworden, daß er zwischen den Gitterstäben seines Gefängnisses hindurchpaßte.
Das ist ein Eckturm vom „Marstall“. Die Anführungszeichen deswegen, weil früher dort gar keine Pferde untergebracht waren und das somit auch kein Marstall war. Es war das Zeughaus.
Heute ist dort eine Mensa untergebracht, vom Studentenwerk ein Marstallcafé (im Gegensatz zu dem, was sich sonst so in Heidelberg eine Studentenkneipe schimpft, ist das hier eine echte, auch mit Studenten- und nicht mit Touristenpreisen) und noch so einige Sachen der Uni.
Das Besondere an diesem Eckturm sind die Rundungen knapp über dem Boden, die so gar keinen Sinn machen.
Der Marstall wurde mit den Steinen des alten Schlosses, das auf Höhe der Molkenkur (Molkenkuren waren man ein Trend im Kurwesen) stand, erbaut. Man hat die Steine nach und nach abtransportiert, die obersten zuerst. Und die obersten Steine waren eben die unter dem Dach, wo normalerweise diese Bögen zu finden sind.
Das ist der heutige Universitätsplatz, in der Mitte der Stadt gelegen.
In früheren Zeiten stand hier ein Augustinerkloster. Da gab es auch dieses Gebäude noch nicht.
Später wurde aus diesem Platz ein Paradeplatz gemacht. Und natürlich war er viel größer. Den Nutzungszweck - das Paradieren - kann man heute noch an der Regelmäßigkeit dieses Platzes erkennen.
Von 1930 bis 1931 wurde die „Neue Universität“ hier aus Spenden, die für diesen Bau bestimmt waren, errichtet. Der Schriftzug „Dem lebendigen Geist“ über demPortal wurde zur Nazizeit durch den Nazispruch „Dem deutschen Geist“ ersetzt. Die Figur der Athena wurde damals abgenommen, statt dessen wurde ein Adler angebracht.
Heute findete auf dem Uniplatz ein großer Teil des Heidelberger Weihnachtsmarktes statt, v.a. die Freßbuden sind hier zu finden.
Die Ingrimstraße ist ein schmales Gäßchen, das parallel zur Hauptstrasse verläuft.
Wenn man von parallel reden kann, denn hier auf dem Bild sieht das doch sehr zackig aus. Die Ingrimstraße war wegen des Windes ursprünglich genauso gebogen wie etwa die kleine Mantelgasse oben. Anders aber als die kleine Mantelgasse aber hat man im Barock versucht, die Straße zu begradigen, ohne die Häuser abzureißen.
Der Eckstein am Haus ist der „Stein des Anstoßes“. Er wurde zum Schutz der Häuserecke angebracht, damit sie nicht von irgendwelchen Fuhrwerken beschädigt wurde.
Am „Orange“ biegen wir nach rechts und haben dieses Haus vor uns, das Haus einer Burschenschaft (man kann auch drin wohnen).
Das war früher das Haus der Mätresse des Kurfürsten.
Es soll vom Schloß einen Tunnel - der von der Bergbahn zerschnitten wird - zu diesem Haus geben, und zwar so hoch, daß der Kurfürst aufrecht mit seinem Pferde durchreiten konnte.
In der Taverne unter der Bergbahn endet unsere Tour so wie hier auch immer unsere Chorproben enden.
Hier ist die Talstation der historischen
Bergbahn. Sie führt zum Schloß und auf den Königsstuhl hinauf.
Sie besteht aus zwei Teilen, wobei der untere (zum Schloß führende) 1890 in Betrieb genommen wurde, 1907 der obere Teil.
Das hier gezeigte Bild stammt aus dem trampicturebook von Uwe Wittenfeld und zeigt die obere Bergbahn.
Literatur und Links:
Geschichte Heidelbergs im Internet