Skip to content

Geigenstunde wirkt nachhaltiger als Therapie.

Seit einem Jahr nun habe ich Geigenstunde. Es macht grossen Spass, da ich einen engagierten Lehrer habe, der sein Wissen und Können gerne vermittelt.

Anfangs war es von meiner Seite aus eine arge Gurkerei, sassen mir doch die geigerischen Missstände aus früheren Jahren in den Knochen. Da hiess es Geduld zu entwickeln, nicht zuviel auf einmal zu wollen. Dass ich ständig den Vergleich zwischen meinen früheren Lehrern und meinem jetzigen im Kopf hatte, das war auch nicht so fein. Aber gut, das geht vorbei.

Das ist vorbei. Aber immer noch wirkt die Geigenstunde wie Therapie, und zwar sehr nachhaltig. Ich bin erstmal für mehrere Tage geschafft. Mir kommen die Erinnerungen an meine Familie hoch. Was mir nicht so passt, weil ich es nicht so genau wissen will, jedenfalls nicht mit der Lupe. Und bearbeitet an sich habe ich diese Sache schon längst.

Letzteres habe ich nicht erwartet. Ich nehme an, das kommt daher, weil ich einfach auf Musik anspreche. Wenn es ordentlich gemacht wird, dann trägt das zu meiner Lockerung bei, rückt mir sozusagen den Kopf zurecht.
Mehr Gelassenheit und Ausgeruhtheit finde ich gut. Die hochkommenden Erinnerungen brauche ich nicht. So habe ich beschlossen, nach der nächsten Geigenstunde (falls das wieder passiert) eine Beruhigungstablette (was harmloses, keine Hammer!) einzuwerfen.

Gänsehautfeeling

Rudelsingen auf kanadisch, vor allem in Toronto, das ist Choir!Choir!Choir!.
Vor Jahren hatte ich deren Halleluja rauf und runter gehört, dann Because the night (mitreissend!). Ich hatte es irgendwann wieder sein lassen, wie man so Sachen halt sein lässt. In diesem Fall lag es daran, dass es von ihnen viele Filmchen gibt, aber von den wenigsten war ich eigentlich überzeugt, ausser von den beiden oben angeführten.

Diese besonderen Zeiten aber führen mich vermehrt wieder zu youtube und Filmchenguckerei (kurze Filmchen sind das ideale Format für mich, der Fernsehentwöhnten). Bei Youtube bekommt man immer irgendwelche Filmchen vorgeschlagen, und diesesmal war es von Choir!Choir!Choir! Bonnie Tylers Total Eclipse of the Heart. Da passt das mit den vielen Laiensängern, kommt Bonnie Tylers rauher Stimme doch ziemlich nahe. Es fängt auch nicht so hoch an, sodass sich die Sänger*innen gut warmsingen können und es trotzdem gut klingt. Gänsehautfeeling.

Meine neuen Lieblinge: Café del Mundo

Friederike hat sie für uns (für mich auch, als ihre Leserin) aufgetrieben: Café del Mundo, die beiden deutschen Flamenco-Gitarristen (jawoll, deutsche Flamenco-Gitarristen). Jan Pascal und Alexander Kilian mit Namen, beheimatet in Buchen im Odenwald. Hach! Die beiden sind: Hach!

Ich musste sie gleich an Ulf weiterreichen, weil sie mich so an ihn erinnert haben. Jetzt ist das aber gar nicht so Ulfs Geschmack! Ja ja, die eigene Begeisterung, da meint man immer, andere müssten genauso begeistert sein.

Ich bin und bleibe begeistert. Und Gott sei Dank, sie leben noch. Beide quietschlebendig.
Denn die letzte Band, in die ich mich Knall auf Fall verliebt hatte (nachdem ich ihren Auftritt beim Rumsurfen auf TV Noir gesehen hatte), waren Kid Kopphausen. Das war so Silvester oder sowas um den Dreh vor etlichen Jahren. Bei begeistertem Noch-mehr-Herumsurfen durfte ich zu meinem Leidwesen erfahren, dass der eine der beiden Macher und Namensgeber - Nils Koppruch - plötzlich verstorben war. Sniff! Da sass ich nun, angefixt und keine Fortsetzung in Sicht. (Beispielvideo aus TV Noir: Zieh dein Hemd aus Moses, eines von diesen Americana, für die Nils Koppruch so bekannt war.)

Zurück zu Café del Mundo und dem Konzert von vor ein paar Tagen (ohne Publikum in diesen Zeiten), das mich so sehr begeistert.
Die muss ich im Auge behalten, gut die Website checken so von wegen Konzertbesuch oder so. (Dass ich das sage, ist viel, denn in der Regel mache ich lieber selbst Musik als in ein Konzert zu gehen.)

Live-Übertragung

Gestern haben wir das Taizé-Gebet der CLM-Gemeinde live übertragen. Das ist schon etwas Besonderes. Man kann nicht einfach eine Kamera und ein Mikrofon hinstellen, und dann klappt es. Das Equipment muss zueinander passen, Internet muss da sein (genügend Bandbreite!), es muss einer da sein, der sich mit dieser Technik auskennt, die Mikrofone müssen gut ausgerichtet sein, ...

Wir haben einen Testmitschnitt gemacht. Gut, dass ich den erst zuhause gehört habe. Denn da habe ich meine Geige zum ersten Mal aus der Konserve, aus dem Mikrofon gehört. Das ist was ganz anderes, als wenn man sie spielend am Ohr hat. Gewöhnungsbedürftig. Ich war dann sehr auf das Feedback der anderen angewiesen, was die dazu sagen. (Das ist nichts für Leute, die gerne alles unter ihrer Kontrolle haben wollen.)
Mir haben die anderen Musiker sehr gefallen. Mit dem Pianisten habe ich schon ein paarmal musiziert, den kannte ich, aber mindestens eine der beiden Sängerinnen war mir neu. ("CLM" steht für "Christus-Luther-Markus". Aus diesen drei Gemeinden wurde letztes Jahr die CLM-Gemeinde, deswegen kenne ich (noch) nicht alle.) Es war fein, mit ihnen zu musizieren.

Zu guter Letzt: Das Feeling bei einer Live-Übertragung ist ganz anders als bei einem Live-Konzert. Aufgeregt und doch nicht aufgeregt, voll freudiger Erwartung. Irgendwie ist man in privatissime und doch nicht. Und live noch dazu! Mir hat es gefallen, und sollte ich wieder für so etwas angefragt werden, bin ich gerne dabei.

Nachtrag für die Statistiker:
Zugeschaltet während des Gebets waren uns im Schnitt immer so 50 Zuhörer.

Die eigene Geigenstimme

Am Karfreitag (also morgen) werde ich das Taizé-Gebet der CLM-Gemeinde mit der Geige mitgestalten. Gestern haben wir dafür geprobt, gerade eben hat uns der Diakon den Teststream geschickt.

Ich habe noch nie meine Geige in einer Aufnahme gehört und ich finde, sie ist penetrant. Wahrscheinlich muss ich mich auch erst daran gewöhnen, so wie man sich an seine eigene Stimme gewöhnen muss, wenn man sie als Aufnahme hört. Meine Stimme kenne ich. Und ich finde sie besser als meine Geige, zumindest beim ersten Hören der Geige.

Das Taizégebet findet an Karfreitag um 20 Uhr statt und wird live gestreamt über youtube. Hier geht's zum Stream.