Thema sexueller Mißbrauch

An mir persönlich mußte ich das Gott sei Dank nie erfahren. Allerdings bin ich an ein paar Leutchen geraten, bei denen ich nur sagen kann, es ist entsetzlich, wie kaputt Menschen sein können. Und das kam nicht aus ihnen raus, sondern mit denen ist in der Vergangenheit so übel umgegangen worden.
Allerdings muß man einschränkend dazu sagen, daß alleine die schlimme Vergangenheit oder die schlimmen Umstände keine Entschuldigung für schlechtes oder gar schädigendes Verhalten sind. Es kommt trotz aller Umstände auch immer sehr darauf an, was man aus sich macht, ob man die Verantwortung, die man hat, trägt oder nicht.


Zunächst bin ich als Erklärungsmodell auf Borderline gestoßen. Na, wenn man nirgendwo eine Erklärung findet, dann auf jeden Fall bei den Borderlinern, so viel, wie die in sich vereinen.
Das Buch, das mir sehr gefallen hat, war Weg aus dem Chaos und im Untertitel Das Hans-mein-Igel-Syndrom oder die Borderline-Störung verstehen von Heinz-Peter Röhr (Walter-Verlag).
Selbst wenn der Mensch, über den man gerade rätselt, kein Borderline hat, so hilft es doch, Auswirkungen großer Ängste zu verstehen. Es ist sehr schön und sehr verständlich geschrieben und wird auf vielen Borderliner-Sites empfohlen. Kein Kauderwelsch für Fachleute.
Desweiteren gibt es natürlich noch den Psychiatrie-Verlag mit seinen guten Ratgebern:

Man sieht, man ist Borderline nicht hilflos ausgeliefert.

Bei sexuellem Mißbrauch habe ich auch direkt im Internet gesucht.
Drei URLs haben mir sehr gefalllen, wobei von den dreien nur noch meine liebste übriggeblieben ist. www.returntoinnocence.de war zumindest, als ich das letzte Mal alle Links testete, nicht mehr zu erreichen und mitglied.lycos.de/hopeso/ baut sich mir zu langsam auf.
Ich hab stattdessen einen anderen Link eingbaut, von www.gyn.de. Hier wird über sexuellen Mißbrauch im speziellen (kurz und gut) aufgeklärt, aber auch über Sexualität allgemein, was mir sehr gut gefallen hat. Mittlerweile habe ich auch noch eine Site für Partner der Opfer gefunden, auf die ich hier auch verlinke. Von dieser Site kam ich auf kinderschreie.de. Erst wollte ich darauf nicht verlinken (weil ja eh schon von „Hilfe für Partner“ aus darauf verlinkt wird), aber die Kinderschreie an sich, die Erzählungen über das Leben danach, die haben einen Extra-Link verdient. (Auf „Kinderschreie“ gehen und danach auf „Das Leben danach“)

Hilfe für Partner
Infos für Verbündete
Kinderschreie ... wenn Kinderseelen weinen ...
Netkids - Kinder sind tabu

Nun danke ich der Ilona alleine, daß sie ihre Site ins Internet stellt. Die Geschichten haben mir bei ihr (und auch bei den anderen beiden Sites, auf die ich nun nicht mehr verlinke) viel gebracht und Ilonas Site an sich sowieso.

Dann noch zwei Bücher, die mir weitergeholfen haben:
Staci Haines: ausatmen und Ellen Bass, Laura Davis: Trotz allem (im Orlanda-Verlag erschienen).
Es sind ausgesprochene Mut-mach-Bücher und dem Nicht-Betroffenen geben sie viel Einblick in die Befindlichkeiten der Überlebenden. Das Thema Dissoziieren wird z.B. in ausatmen sehr gut beschrieben.

Ein sehr gutes Buch über den Mißbrauch an Jungs ist Auch Indianer kennen Schmerz von Dirk Bange und Ursula Enders (Kiepenheuer & Witsch).
Für die PartnerInnen von Überlebenden, die auch einiges auszuhalten haben, hat Laura Davis ein Buch zusammengestellt: Verbündete, im Orlanda-Verlag erschienen.
Joyce Meyer hat ihr Trauma des Mißbrauchs mit Hilfe von Gott überwunden. Daraus resultiert ihr Ratgeber Schönheit statt Asche. Empfange Heilung für Deine Emotionen. Es beschreibt sehr gut die Art der verletzten Emotionen - z.B. Neid und Eifersucht oder ständige Scham - was sie bedeuten und wie man sie mit Gott überwindet.

Nun habe ich auch ein Buch gefunden, das sich der Thematik von der belletristischen Seite nähert. Es ist ein Krimi von Lee Martin, bei DuMont erschienen: Der Tag, als Dusty starb. Die Autorin kennt die Problematik aus eigenem Erleben und zeigt etliche Facetten dieses Themas auf. Sie stellt verschiedene Täter-Typen vor, wie etwa den, der meint, seine Tochter in praktischem „Sexualunterricht“ auf den zukünftigen Mann vorbereiten zu müssen. (Dieser Tätertyp wird auch in dem Sachbuch Tatort Kinderseele von den Autoren Max H. Friedrich und Käthe Springer, bei Ueberreuter erschienen, beschrieben.) Sie geht auf das Umfeld der Opfer ein. Die Mütter zum Beispiel, die sich mit dem Geschehen recht schwer tun. Manche packen es, manche leugnen beständig. Dann die Opfer. Das Kind im Kindergarten bis hin zur erwachsenen Frau. Lee Martin gibt auch noch einen kurzen Ausblick auf Mißbrauch allgemein und mißbrauchte Jungs. Wie gesagt, ein kurzer Ausblick, denn das Thema (sexueller) Mißbrauch ist derartig vielgestaltig, das kann man nicht alles in einem Roman abhandeln.

Claudia Heyne gibt im Kreuz-Verlag das Buch Täterinnen: Offene und versteckte Aggression von Frauen heraus. Ein sehr gutes Buch, das vor allem durch seine Klarheit besticht, etwa in den beiden Sätzen: „Hierbei gerät leicht aus dem Blick, daß die Frage körperlicher Gewalttätigkeit in bezug auf die Folgen des Mißbrauchs für das Opfer nicht unbedingt zentral ist. Ein kleines Kind ist in seiner gesamten Existenz von Vater und/oder Mutter in einem solchen Maße abhängig, daß es der körperlichen Gewalt im Zusammenhang mit dem sexuellen Mißbrauch gar nicht bedarf, um dem Kind ein Gefühl größten Ausgeliefertseins zu vermitteln.“ (S. 285, 1. Auflage 1993).
Oder aber der Abschnitt auf S. 354: „Vor allem aber bringt eine brüchige Identität eine ausgeprägte Konflikunfähigkeit mit sich, die sich regressiv in dem Versuch, Konflikten mittels Rückzug, Manipulation und Kontrolle aus dem Wege zu gehen, niederschlagen kann, aber auch bewirken kann, daß im Falle der Bedrohung zum Mittel der Gewalt gegriffen wird, um die gefährdete Identität zu schützen und zu sichern.“
Dies beschreibt die Haltung einiger Opfer, und ich habe dies alles in aller Ausführlichkeit erlebt. Ich hab mir ganz arg schwer getan, eben diese Verhaltensweisen zu verarbeiten. Wie es scheint, winden sich die Opfer auf alle mögliche Arten um Konflikte herum, aber der gerade Weg wird nie gegangen.
Die brüchige Identität kann im Extremfall in Borderline oder Multipler Persönlichkeit enden. Ein sehr gutes Buch zu Borderline habe ich oben angeführt. Es hat mir sehr viel weitergeholfen. Aber Vorsicht: Die endgültige Diagnose Borderline kann nur der Fachmann nach einem ausführlichen Screening stellen. Borderline ist nämlich so manches mal auch eine Modediagnose, wenn man halt nichts anderes findet. Das soll nicht sein.
 
Hier einige Links zum Thema Borderline. Der erste Beitrag, der englische, erklärt sehr schön die Borderlinestörung auch für Laien, zeigt typische Mechanismen in Beziehungen mit Borderlinern auf und gibt eine Menge Hilfestellung. Sehr gut gelungen. Die restlichen Beiträge sind alle auf deutsch.
 
Borderline Personality Disorder, Borderline Personalities, Borderline Behaviour
borderline-selbsthilfe.de
Selbsttest auf Borderline-Syndrom bzw. Borderline-Verhaltenszüge

Das Buch Eltern, Kind und Neurose von Horst-Eberhard Richter (erschienen bei Rowohlt) hat Claudia Heyne auch sehr gründlich gelesen. Horst-Eberhard Richter hat den Mißbrauch dabei ausgeklammert, aber beide gehen auf die Schädigungen durch falsche Rollenansprüche an das Kind ein. Wenn das Kind z.B. Familienoberhaupt sein soll, was einem Kind nicht gerecht wird, so wird es bei seiner Identitätsfindung dahingehend gestört, daß es einmal „allmächtig“ ist, andererseits aber wieder versagen muß, weil es eben nicht die Rolle ist, die ihm zusteht.
Eine Freundin von mir, von Borderline genesen, erzählte mir, daß sie bis heute mit diesem wechselnden Selbstbild zu kämpfen hat.

Noch ein sehr guter Beitrag zu Mißbrauch kommt von David Johnson und Jeff VanVonderen, beide Pastoren. Ihr Buchtitel lautet Geistlicher Mißbrauch - Die zerstörende Kraft der frommen Gewalt (Gerth Medien). Das Buch ist ein Volltreffer. Die beiden Autoren beschreiben geistlichen Mißbrauch in Gemeinden, decken mit diesem Thema aber viel mehr ab: wie der Geist eines Menschen bei Mißbrauch verdreht wird (was meiner Ansicht oft das wirklich Schlimme ist). Für diese Homepage könnte ich eine Stelle nach der anderen aus diesem Buch zitieren, die beiden Autoren kennen das Thema Mißbrauch gründlich. Etwa „Menschen verbergen nicht, was eine klare Sache, sondern was irgendwie nicht in Ordnung ist“ (S. 95, 4. Auflage 2003).

Aus der FAZ vom 06. Oktober 2008. Eine Mahnung an alle, daran zu denken: Kinderpornographie - Die Quäler sind unter uns

Dann bleibt mir noch zu sagen, daß jeder, der sich mit dieser Problematik beschäftigt, eine Menge Dreck (das ist noch ein harmloses Wort) kennenlernen wird. Entsetzlich, was Menschen einander antun können. Nicht jeder wird wohl ertragen können, was er da zu lesen bekommt.