Thema Psychose

Das gehört nun in die Psychiatrie.
Wenn man will, kann man Psychose sehr (!) reduziert als Stoffwechselstörung betrachten. Deswegen geht man zum Psychiater, der einem dann Tabletten verschreibt (der Psychologe darf das nicht).
Ein Bekannter hat mir mal erzählt, daß es hier um ein Zuviel an Dopamin geht. Das ist ein Botenstoff, der für die Phantasie und noch etwas anderes zuständig ist. Daß man nicht mehr richtig tickt, wenn ein Zuviel an Reizen kommt, das ist wohl jedem verständlich. Das kann sich in allen möglichen Arten von Wahn äußern, in Halluzinationen, Denkstörungen, Erregung, Anspannung.

Ein Buch, in dem das viel besser als hier beschrieben ist, heißt Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. Ein Ratgeber für Patienten und Angehörige von Josef Bäuml (bei Springer erschienen).

Für den tieferen Einstieg ins Thema habe ich noch zwei interessante Bücher gefunden:
- Von Andreas Knuf und Anke Gartelmann wird im Psychiatrie-Verlag das Buch Bevor die Stimmen wiederkommen. Vorsorge und Selbsthilfe bei psychotischen Krisen herausgegeben. Es beschreibt verschiedene Ansätze verschiedener Patienten sowie das unterschiedliche psychotische Erleben der Einzelnen.
- Von Lilla Sachse stammt das Buch Heilsame Erfahrungen. Biotop Mosbach: Eine Gruppe als Wegbegleiter durch psychotische Krisen (Paranus-Verlag). Ein sehr interessantes Buch, das viel Einblick in das psychotische Erleben gibt und vieles für den Nicht-Betroffenen verständlich macht.

Ich finde es ratsam, sich mit dem Thema Psychosen zu beschäftigen, da es erstens jeden treffen kann und sich die Patienten zweitens oft sehr schwer mit der psychischen Krankheit tun. Selbst wenn es den Anschein hat, der Patient habe sich damit abgefunden, weil er sehr offen über seine Erkrankung redet, ist oft das Gegenteil der Fall. Einer erzählte mir doch glatt, bei Halluzinationen (seinen eigenen) müsse man hart sein, das müsse man verarbeiten.
Mit dem Willen kommt man gegen eine Stoffwechselstörung nicht an! Bei diesem Kerl muß ich auch noch sagen, daß er schon jahrelang in Behandlung ist wegen seiner Psychose und auch schon mehrmals in einer Klinik war. Über die Zeit sollte sich eigentlich ein Einsehen einstellen, aber nichts da.
Es gilt im Gegenteil, die Erkrankung und die Lebensumstände, die sie hervorgebracht haben, zu akzeptieren und mit ihnen umzugehen. Wenn einer Workaholic ist und diese Überbelastung zur Psychose geführt hat, dann muß er eben ein anderes Verhältnis zu seiner Arbeit lernen bzw. sein früheres Arbeitsverhalten hinterfragen. Sonst droht gleich wieder der nächste Schub. Wer will schon ernsthaft ein solches Leben führen.
Das Umfeld des Psychotikers tut sich auch oft sehr schwer. Erstens kommt die Frage auf, wie mit dem Psychotiker umgehen, zweitens plagen sich die Angehörigen (und z.T. auch die Patienten) mit der „Schuld“frage herum und drittens steht die Verständnisfrage für das Befinden des Psychotikers an. Der ist nicht willentlich so blöd, unverschämt, ... wie er ist. Das ist krankheitsbedingt. Aber das muß man erstmal begreifen! Und dann habe ich auch schon erlebt, daß das Umfeld gar nicht erkennt, daß da was nicht stimmt. Frage mich keiner, wie das zugeht, der Mensch hat anscheinend eine gute Fähigkeit, sich selbst zu belügen und Offensichtliches zu übersehen. Bei dem, was ich da erlebt hatte, hatte ich mich schon gefragt, ob ich nicht selbst einen Schub habe, aber nein, bei mir alles okay.
Krass finde ich, kommen auch die Psychotiker, die in ihrer Vergangenheit Psychotherapie erfahren haben. Die geben ein Geschwafel von sich! Die können auf die Situation, vor der sie gestellt werden (v.a. eine Konfliktsituation) nicht eingehen und flüchten sich in das Psycho-Geschwätz, das sie gelernt haben.
Dagegen ist die typische Frage eines Freundes von mir, wenn er mit psychisch Kranken zu tun hat: „Hä? Muß ich das jetzt verstehen?“ Das trifft die Situation voll, denn die psychisch Kranken beziehen sich zwar auf (reale) Personen, aber sie leben in ihrer eigenen Welt.

Psychiatrie-Links:

www.psychiatrie.de | www.psychosoziale-gesundheit.net
 
www.psychiatrie-aktuell.de | www.psychoedukation.net